Um Haarausfall zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass es verschiedene Arten von Haarausfall (medizinisch Alopezie genannt) gibt, die auf unterschiedlichste Ursachen zurückzuführen sind. Ein gewisser Haarverlust von etwa 50 bis 150 Haaren pro Tag gilt als natürlicher Biorhythmus. Wird dieser Wert überschritten, unterscheidet man hauptsächlich zwischen folgenden Arten:

1. Hormonell-erblicher Haarausfall (Alopecia androgenetica)

  • Erscheinungsbild: Diese Form betrifft Männer häufiger und zeigt sich oft durch Geheimratsecken oder eine lichter werdende Kopfpartie am Hinterkopf.
  • Ursachen: Die Haarwurzeln weisen eine besondere Empfindlichkeit gegenüber dem männlichen Hormon Testosteron auf. Bei Frauen kann ein Absinken der „haarwachstumsfördernden“ weiblichen Hormone (Östrogene) oder ein Anstieg der männlichen Hormone zum Verkümmern der Haarwurzeln führen.

2. Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

  • Erscheinungsbild: Charakteristisch sind unregelmäßige, kreisförmige oder ovale kahle Stellen, die nicht nur die Kopfhaut, sondern auch Wimpern, Augenbrauen oder den Bartbereich betreffen können. In schweren Fällen kann es zum kompletten Haarverlust auf dem Kopf oder am ganzen Körper kommen.
  • Ursachen: Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel angreift. Die genauen Ursachen sind nicht abschließend geklärt, man geht jedoch von einem Zusammenspiel aus genetischen und immunologischen Faktoren, Umwelteinflüssen sowie Stress oder Traumata aus.

3. Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)

  • Erscheinungsbild: Das Haar dünnt über den gesamten Kopf verteilt aus, ohne dass sich der Verlust auf bestimmte Areale beschränkt. Oft tritt der Haarausfall mit einer Verzögerung von zwei bis drei Monaten nach dem auslösenden Ereignis auf.

Ursachen: Die Auslöser für diffusen Haarausfall sind sehr vielfältig:

  • Stress und psychische Belastungen.
  • Mangelerscheinungen, etwa durch falsche Ernährung oder Fastenkuren (z. B. Vitamin- oder Eisenmangel).
  • Hormonumstellungen, wie sie nach einer Geburt, in den Wechseljahren oder durch das Absetzen der Pille auftreten.
  • Schwere Infektionen oder Erkrankungen (z. B. Grippe, Scharlach, Gürtelrose, Wundrose, Syphilis).
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten.
  • Erkrankungen der Kopfhaut (wie Pilzbefall, Schuppenflechte, Lupus erythematodes).
  • Zwangsneurosen, wie das neurotische Ziehen, Kauen oder Schneiden der eigenen Haare.

4. Haarausfall durch Haarstrukturschäden

5. Angeborene und genetische Ursachen

  • Ursachen: Es gibt seltene Gendefekte, wie die sogenannte Atrichie (angeborene Haarlosigkeit), bei der oft schon im Kleinkindalter festgestellt wird, dass genetisch keine Haare angelegt sind oder diese im Flaumhaar-Stadium verbleiben. Ein weiterer genetischer Defekt ist das Lose Anagenhaar, welches dazu führt, dass die feinen, brüchigen Haare locker sitzen und schon beim Kämmen leicht ausfallen.

6. Neuartige Formen des Haarverlustes (vor allem bei Frauen)

Ursachen: In den letzten 20 Jahren beobachten Mediziner eine neue Form, bei der die Haarwurzeln nicht mehr auf die an sich korrekten Hormonsignale des Körpers reagieren. Als mögliche Auslöser werden unter anderem eine zu frühe oder zu lange Einnahme der Antibabypille sowie Hormonrückstände in Lebensmitteln diskutiert